Erstes Quartierforum in Erlenbach verspricht Einiges

26.05.2016 Von: Annina Just

Küsnachter Amtlich

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39 Quartierbewohnerinnen und -bewohner brachten ihre Wünsche und Anliegen für die Entwicklung im Oberen Lerchenberg und Bruppach ein. Foto: Annina Just

Bessere ÖV-Verbindungen und ein Treffpunkt fürs Quartier «Oberer Lerchenberg und Bruppach» sind die beiden Hauptanliegen, die das erste Erlenbacher Quartierforum hervorbrachte.

In Erlenbach sollen solidarischere Quartiere entstehen. Dazu ist am vergangenen Samstag das «Quartierprojekt Oberer Lerchenberg und Bruppach » in die Umsetzungsphase gestartet. Seinen Ursprung hat das Projekt im Alterskonzept: «Da es schon sehr viele Angebote für Seniorinnen und Senioren gibt, braucht es nun eine Durchmischung und Vernetzung über die Generationen hinweg – das erhöht nicht nur die Lebensqualität der älteren Bevölkerung, sondern die des ganzen Quartiers», erklärt Luci- Anna Braendle, Altersbeauftragte der Gemeinde Erlenbach. Mit der Durchmischung der Generationen sollen folgende Ziele erreicht werden: den sozialen Zusammenhalt im Quartier stärken sowie gegenseitige Hilfeleistungen und die Ressourcen im Quartier nutzen zum Wohle von allen Bewohnerinnen und Bewohner.

Wunschvorstellung: Standseilbahn
Zu diesem Zweck wurden allen Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers «Oberer Lerchenberg und Bruppach» eingeladen, am ersten Quartierforum im Restaurant Centro teilzunehmen und dort ihrer Wünsche und Vorstellungen für die Quartierentwicklung zu diskutieren.
Während in der ersten Diskussionsrunde in kleinen Gruppen frei fantasiert werden durften – und gar eine Standseilbahn vom Bahnhof den Hang hinauf («So wie die Metro in Lausanne») als Idee aufkam –, waren dann in der zweiten Phase konkrete und umsetzbare Vorschläge gefragt. Beim Brainstorming waren es in den verschiedenen Gruppen immer wider ähnliche Themen, die aufgenommen wurden: Die Busverbindung an den Bahnhof, die mit einem Kurs pro Stunde zu spärlich ausfällt und am Sonntag gänzlich nicht vorhanden ist, und das Fehlen eines Quartiertreffpunktes in Form eines Cafés, Restaurants oder Bistros. Auch eine Bäckerei hätten viele gerne im Quartier. «Nur schon, um ein Gipfeli zu kaufen, muss man mindestens einen Kilometer Luftlinie ins Dorf runter fahren », bemerkte einer der Quartierbewohner. Auch ein Park, in dem Hunde frei herumlaufen können, und eine Plattform für Nachbarschaftshilfe waren Ideen, die auf grossen Anklang stiessen.
Nach der Fantasierunde wurden die Gruppen neu zusammengestellt; jeder sollte sich dem für ihn wichtigsten Thema annehmen und dazu ein «Projektblatt» ausfüllen. Die grösste Gruppe kam ganz klar beim Thema Quartierbeiz zusammen. Deren Mitglieder waren sich einig, dass die Gemeinde ein Stück Land kaufen und verpachten müsste, denn für eine Privatperson sei ein Gastrobetrieb in diesem Gebiet nicht finanzierbar. Die Gruppe forderte die Gemeinde – am Anlass durch Gemeindepräsident Sascha Patak prominent vertreten – dazu auf, die Augen und Ohren für eine geeignete Liegenschaft offen zu halten. Patak überrascht im Anschluss mit der Aussage, man solle mal die Besitzverhältnisse der Gemeinde anschauen kommen, es gäbe nämlich durchaus noch die eine oder andere freie Wiese im Besitz der Gemeinde. Man freue sich bei der Gemeinde immer über neue Ideen und Projekte, betonte Patak ausserdem und fügte schmunzelnd an: «Besonders über solche, die von Leuten, kommen, die etwas tun wollen und nicht nur sagen, die Gemeinde solle umsetzen.» Er zeigt sich von der samstagnachmittäglichen Veranstaltung mit 39 Teilnehmern und Teilnehmerinnen begeistert. «Ich hatte hohe Erwartungen, aber diese wurden übertroffen », lobte er die Diskussionsfreudigkeit und Bereitschaft, sich einzubringen. Ausserdem freue er sich, auf die erste Einladung zum monatlichen Quartiertreffen im Centro, das eine Projektgruppe organisieren will.

«De fründlichi Duume» 
Auch zum Thema Verkehrsanbindung an den Bahnhof klang eine Projektskizze verheissungsvoll: Anwohner sollen andere Anwohner im Auto die Lerchenbergstrasse rauf und runter mitnehmen. Für das Projekt mit dem Namen «De fründlichi Duume» brauche es nichts ausser einem geeigneten Kennzeichen, wie zum Beispiel einen leuchtenden Handschuh für die Anhalter und einen Aufkleber für die Autofahrer. «Damit man weiss, dass es nicht irgendein Fremder ist, der einen da mitnehmen will», erklärte der Sprecher der Gruppe «Erweiterung ÖV».
Nun liegt es an den Projektgruppen, sich wieder zu treffen und ihr Projekt voranzutreiben. «Mein Ziel ist stets, dass Betroffene zu Beteiligten werden», erklärte LuciAnna Braendle ihre Vorstellung des weiteren Verlaufs. Sie stehe aber gerne zur Verfügung, wenn eine Gruppe sie bei einem Treffen dabei haben wolle oder sonst Ratschläge brauche.
Wie Braendle erklärte, habe sie das Quartier «Oberer Lerchenberg und Bruppach» für das Projekt ausgesucht, weil es sich in den letzten 15 Jahren stark verändert und viele Zuzüge hatte. Sie hofft, dass das Projekt mit der Zeit auch auf die anderen Quartiere in Erlenbach übertragen wird und dadurch alle Quartiere auf diese Weise vernetzt werden.

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